Oberpfälzer Gauverband, Trachtenverein Gebiet West



 

 

Trachtenvereine im Oberpfälzer Gauverband

Gebiet West

 

Josef Vogel, hier sitzend mit Zither

 

Mitbegründer der ersten Bayerischen Trachtenvereine, anlässlich seines 150.ten Geburtstag 1999

 Erste Trachtenvereine ab 1883

Trotz der frühen Gründung eines Trachtenvereines im österreichischen Graz (1871) gilt allgemein Oberbayern als Wiege der Trachtenbewegung. Hier begann 1883 mit der Gründung des "Vereines zur Erhaltung der Volkstrachten im Leitzachtal" durch den Lehrer Josef Vogl (1848-1886) in Bayrischzell die Entwicklung einer organisierten Trachtenbewegung in Bayern. Erstmals wurde hier für Bayern als satzungsgemäßer Hauptzweck die "Wiederauffrischung der im Verschwinden begriffenen kleidsamen Volkstracht" festgeschrieben. Anregungen für diese Vereinsgründung kamen unter anderem von den Tiroler Nationalsängergruppen, von der Miesbacher Schuhplattlergesellschaft (seit 1859) und von Alpenvereinsmitgliedern. In der Kombination einer von Jägern, Holzknechten und Sennen adaptierten und an ältere Tiroler Kleidungsformen anschließenden Männertracht mit kurzer Lederhose und Schuhplattlertanz gründeten sich in rascher Folge weitere Trachtenvereine, zunächst in der Region Oberbayern, bald jedoch auch in anderen Gegenden Bayerns. All diese Vereine wandten sich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts fast ausschließlich der Pflege der "Gebirgstracht" zu. Hierin zeigt sich eine deutliche Parallele zur bayerischen Volksmusikpflege dieser Zeit, wo man ebenfalls lange Zeit auf alpenländisches Volkslied und Volksmusik konzentriert blieb. Die Trachtenvereine schlossen sich ab 1890 in Gauverbänden zusammen.

 

Trachtenverbände

 

1925 gelang es, insgesamt 10 Gauverbände des bayerischen Alpenvorlandes zu einem Dachverband mit dem Namen "Vereinigten Trachtenverbände des bayerischen Oberlandes" zusammenzuschließen. Dieser erste Trachtenverband wurde am 25. Oktober 1925 im Hackerkeller in München gegründet und umfasste seinerzeit 303 Vereine mit 19.135 Mitgliedern. Sein kontinuierliches Anwachsen (1999: 17 Gauverbände mit 168.127 Mitgliedern in 795 Vereinen) wurde lediglich in der NS-Zeit von organisatorischen Repressalien ("Gleichschaltung") und massiver politischer Einflussnahme begleitet. Seit 1927 gibt der Verband eine eigene Zeitschrift heraus (Vorläufer seit 1902). Im Jahr 1947 wurde dieser Verband unter dem Namen "Vereinigte Bayerische Trachtenverbände" neu gegründet.

Ab 1908 organisierte sich daneben ein Teil der Trachtenvereine in einem zweiten Verband namens "Landesverband Bayerischer Heimat- und Volkstrachtenvereine". Erst im Jahr 2002 gelang die Fusion beider Verbände zum "Bayerischen Trachtenverband" mit 203.787 Mitgliedern in nun 982 Vereinen aus insgesamt 24 Gauen und Bezirken (Stand 2003).

Als prominente Protagonisten innerhalb dieser Verbandsentwicklung sind unter anderem zu nennen:

  • Franz Xaver Huber: Gründete 1890 mit dem "Gauverband I" die erste Dachorganisation der oberbayerischen Trachtenvereine.

  • Thomas Bacher (1863-1945): Gründungsvorsitzender der "Vereinigten Trachtenverbände des bayerischen Oberlandes" von 1925 bis 1945.

  • Dr. Conrad Adlmaier (1882-1966): Erster Vorsitzender der "Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände e.V." von 1946 bis 1964 und Hauptschriftleiter der Trachtenzeitschrift "Oberländer Heimatbote" von 1927 bis 1966.

  • Hans Seestaller (1884-1979): Erster Vorsitzender der "Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände e.V." von 1965 bis 1970.

  • Hans Zapf (+ 2005): Erster Vorsitzender der "Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände e.V." von 1970 bis 1994.

  • Otto Dufter (geb. 1934): Erster Vorsitzender der 1994 in "Bayerischer Trachtenverband e.V." umbenannten "Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände e.V." seit 1994.

In den 1970er Jahren kulminierten die Bemühungen der "Vereinigten bayerischen Trachtenverbände e.V.", mit dem bereits 1929 gegründeten und nach seinem Verbot in der NS-Zeit 1948 neu gebildeten "Deutschen Trachtenverband" in reorganisierter Form zusammenzuarbeiten. Nach der Wiedervereinigung hat sich der "Deutsche Trachtenverband" infolge des mächtigen Zustroms von Heimat- und Trachtenvereinen aus den neuen Bundesländern als größter nationaler Bundesverband etabliert. Seit 1988 besteht eine Partnerschaft des Bayerischen Trachtenverbandes mit dem "Bund der Österreichischen Trachten- und Heimatverbände".

 

Die Liebe zur Heimat, zur Sitt und der Tracht, will Opfer von Dir und deine ganze Kraft

Zusammenhalten, auch in leidvollen Stunden, dann hast das Ziel deiner Heimat gefunden